Die letzten Tage haben meine Befürchtungen bestätigt: ein weiteres Tief.
Ein Rückschlag, sozusagen.
Das Wochenende war voll von „Oh mein Gott, was haben wir nur getan? Wir hatten doch Pläne, wir wollten doch eine gemeinsame Zukunft, Hochzeit, Kinder, Hund, Haus, alles? Wir wollten doch für immer… und so… und überhaupt…“
So, quasi. Ich drehte mich also im Kreis, ganz um mich selbst.
Ursache dafür war eigentlich, dass er der Tatsache, dass wir uns gerade getrennt hatten, scheinbar völlig gleichgültig gegenüberstand. Wie er eben auch sagte, I go on with my life. We’re still friends.
Ok, so far so good. Aber im Vergleich zu anderen Menschen kann ich nicht einfach mal so den Schalter umlegen und plötzlich nur noch Freund sein. Geht nicht. Ist einfach so. Ich hab da Gefühle. Und nach vier Tagen Telefonabstinenz und nicht mal einer kleinen SMS seinerseits konnte ich nicht mehr anders. Ich schrieb ihm. Und bettelte. Irgendwie. Betteln auf möglichst hohem Niveau zwar, aber es blieb betteln. Und als dann bis zum nächsten Mittag (ich schrieb abends) noch keine Antwort kam, war’s ganz vorbei.
Die Antwort kam dann nachmittags. Und das Telefongespräch abends. Ich hab mich möglichst lange zusammengerissen, nachher aber trotzdem geheult. Klar. Und ihm Vorwürfe gemacht, dass ihm alles so leicht fällt. Ob es überhaupt wirklich jemals echte Liebe war. Wie er so kalt sein kann. So hart. So gemein. Ja, ich weiß. Pathetic.
Jedenfalls hab ich ihn so lange provoziert, bis es schließlich aus ihm herausbrach. Wie ich so denken könne, was ich denn glaube, wer er ist, wie er ist, ob ich immer noch nicht begriffen hätte, dass er immer noch auf mich wartet, dass ich nur einen Ton sagen müsse, einen einzigen Schritt gehen müsse, dass es doch letztlich nur an mir läge (was im Prinzip auch stimmt), ob ich glaube, er würde sich nicht quälen, er wäre da, immer noch und immer, er wäre da und es ginge im beileibe nicht gut.
Ab dem Zeitpunkt war ich beruhigt und es ging mir schlagartig besser. Was mich zu der Annahme bringt: Ich bin ein Arschloch.
Harte Worte, aber wahr. Mir geht es besser, seitdem ich weiß, dass er auch leidet. Anders zwar als ich, im Stillen, heimlich, leise, aber er leidet. Gut so.
Geändert hat es an unserer Situation nichts. Noch nicht. Aber ich kann jetzt anders darüber nachdenken, jetzt, wo ich ihm meinen emotionalen Ballast in den Hals gestopft hab. Jetzt ist mein Kopf wieder frei und ich kann realistisch über das nachdenken, was ich eigentlich will. Hoffentlich. Zumindest hab ich’s vor.
Und da sag noch einer, Liebe wäre selbstlos. Blödsinn. Liebe ist ein egoistisches Arschloch.